Geht das überhaupt?
Katzen sind (obligate) Carnivore, also Fleischfresser. So weit sind sich alle einig. Aber was bedeutet das konkret für ihre Ernährung? Dass sie Fleisch essen müssen, um ihren Nährstoffbedarf decken zu können? Oder lediglich, dass evolutionsbedingt ihr Körper auf das Jagen und Essen von Beutetieren ausgelegt ist – also ihre Anatomie inkl. Sinnesorgane, Klauen, Gebiss und Verdauungsapparat entsprechend entwickelt sind und ihr Nährstoffbedarf für gewöhnlich über ihre üblichen Beutetiere gedeckt wird?
Auch wenn Einige Ersteres vertreten, sprechen inzwischen viele Indizien dagegen. So werden beispielsweise schon länger pflanzliche Zutaten und synthetisch hergestellte Nährstoffe im herkömmlichen Katzenfutter verwendet und auch die Richtlinien der FEDIAF, also des europäischen Verbands der Haustierfutterindustrie, schreiben weder die Verwendung von Fleisch im Katzenfutter vor, noch schließen sie die Verwendung pflanzlicher Zutaten aus. Sie weisen in ihrer entsprechenden Stellungnahme zu veganer Haustierernährung lediglich auf Herausforderungen hin und empfehlen, die Umsetzung einer pflanzlichen Ernährung tierärztlich abzuklären bzw. zu begleiten.
Auch die Studienlage zeigt inzwischen, dass benötigte Makro- und Mikronährstoffe auch aus nicht-tierischen Quellen von Katzen aufgenommen werden können. Interessanterweise scheint sich gerade bei Katzen die Verdaulichkeit von Proteinen durch die Verwendung pflanzlicher Proteinquellen zu erhöhen:

Ein Credo, sowohl unter Fürsprechern der pflanzlichen Haustierernährung als auch generell in der Heimtierfutterbranche, lautet: Tiere brauchen bestimmte Nährstoffe, keine Zutaten. Salopp gesagt: Wenn die Katze Taurin in der richtigen Menge aufnimmt, ist’s egal woher es kam. Wer prinzipiell dagegen argumentieren möchte, hat die Forschungslage nicht auf seiner Seite. Wie in Leon et al. (1992) beschrieben, ist bereits nach 6 Wochen ohne Taurinaufnahme kein solches mehr im Blutplasma nachweisbar und entsprechende Symptome wie Retinopathie bzw. Veränderung der Netzhaut würden nach etwa 15 Wochen einsetzen (vgl. Schmidt et al. (1987)).
Schaut man sich jedoch die Studien an, die eine auf Bedarfsdeckung ausgelegte pflanzliche Ernährung von Katzen untersuchten – z.B. Semp (2014), Wakefield et al. (2006), Knight et al. (2023) –, finden sich keine Anzeichen auf derartige Verläufe von Mängeln und Symptomen, was eine fehlende Taurinaufnahme ausschließt. Im Gegenteil – eine entsprechende Aufnahme von Taurin wie auch Vitamin B12 (ebenfalls ein kritischer Nährstoff für Katzen, der für gewöhnlich nicht (ausreichend) in Pflanzen vorkommt und daher synthetisch ergänzt werden muss) konnte in diesen Arbeiten aufgezeigt werden.
Nutrients, not ingredients!
Katzen benötigen bestimmte Nährstoffe, keine Zutaten. Woher sie diese bekommen ist nebensächlich, solange ihre Ernährung bedarfsdeckend ist.
Der Verdauungsapparat von Katzen ist zwar auf Fleisch ausgelegt, die pflanzlichen Zutaten in veganem Futter werden für gewöhnlich aber nicht einfach roh hinzugefügt, sondern die Nährstoffverfügbarkeit wird durch verschiedene Arbeitsschritte wie Proteinisolation oder Extrusion, also der Einwirkung von Druck, Dampf und hohen Temperaturen, gezielt verändert und verbessert.
Die Studienlage zu pflanzlicher Katzenernährung ist durchaus ausbaufähig; Eine prinzipielle Position dagegen lässt sich bisher jedoch nicht von ihr ableiten. Eher lässt sich feststellen, dass die bisherigen Ergebnisse, angesichts der sehr limitierten Futtermittelangebote und vermutlich häufig nicht idealen Umsetzung, einen durchaus positiven, vielversprechenden Hinweis auf eine grundlegende Umsetzbarkeit liefern. Dieser dürfte sich mit zunehmenden Angeboten und Innovationen wie mikrobiellem Protein weiter festigen. An dieser Stelle sei auch das aufschlussreiche Video des Tierarztes Karim Montasser empfohlen, das einen kritischen Blick auf die Studienlage wirft.
Unsere Position, inwiefern wir Haustiere vegan ernähren SOLLTEN, findet ihr in diesem Beitrag.
Für alle, die ihre Katzen pflanzlich ernähren möchten, folgen ein paar praktische Hinweise und Ratschläge.
Praktische Tipps zur Umsetzung einer pflanzlichen Ernährung von Katzen
Es gibt bereits seit einigen Jahren pflanzliches Trockenfutter, das als Alleinfuttermittel für Katzen deklariert ist. Daher sind bei der Verwendung für gewöhnlich keine weiteren Supplements/Nahrungsergänzungsmittel nötig, sofern bisher vom Tierarzt nichts besonderes verordnet wurde. Unter anderem auf kokku-online.de oder simplyvegan.de findet man neben den veganen Trockenfuttermitteln von Ami, V.E.G. und Benevo auch ein veganes Nassfutter für Katzen (Benevo Duo), das laut Hersteller bedarfsdeckend ist. Andere Nassfuttersorten, z.B. von V.E.G., sind meistens lediglich als Ergänzungsfuttermittel deklariert, sollten also nicht den relevanten Teil der Ernährung ausmachen.
Vom Selberkochen ist für gewöhnlich abzuraten, bzw. ist es nur bei entsprechender Beratung und Rationsplanung durch eine einschlägige Fachkraft in Erwägung zu ziehen – da viele Rezepte, die im Internet zu finden sind, nicht bedarfsdeckend sind, kritische Nährstoffe (wie Taurin oder Arachidonsäure) häufig fehlen und nicht gewährleistet wird, dass Nährstoffe im richtigen Verhältnis vorhanden sind und aufgenommen werden können.
Sofern das Trockenfutter nicht (direkt) von der Katze angenommen/akzeptiert wird, kann man es auch einweichen und quasi als Nassfutter anbieten. Das kann auch bei der Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung hilfreich sein, da man so schrittweise das pflanzliche Trockenfutter unter das bestehende Nassfutter mischen kann.
Die schrittweise(!) Umstellung kann in Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen, auch wenn viele dem Thema ggü. nicht offen und häufig nicht mit der Studienlage dazu vertraut sind. In diesen Fällen kann man sie dennoch um ihre bestmögliche Unterstützung bitten. Dazu gehört beispielsweise die Klärung zu tierspezifischem Nährstoffbedarf (z.B. aufgrund von Alter oder bestimmten chronischen Krankheiten) und Kontrolluntersuchungen, vorrangig der Organe anhand von Blutwerten und äußerlichen Untersuchungen. Ein großes Blutbild sollte regelmäßig gemacht werden, auch um ggf. auf die tierspezifische Organgesundheit zu reagieren und Futter oder Nahrungsergänzung dahingehend anzupassen.
Grundsätzlich gilt bei einer veganen Lebensweise: Adopt, don’t shop. Tiere sollten keine Ware sein, die nach unseren Vorstellungen gezüchtet, verkauft oder verschenkt werden. Tierheime und Pflegestellen sind häufig voller Hunde und Katzen, für die ein neues Zuhause ein besseres Leben bedeuten kann; Und mittlerweile gibt es einige Organisationen, die sich auf die Vermittlung von Straßenkatzen spezialisiert haben. Solange der Großteil der Hunde und Katzen nicht pflanzlich ernährt wird, ist es auch im Interesse der sog. Nutztiere, keine weitere Züchtung von Hunden und Katzen zu unterstützen.
Auch ist es wichtig, sich der Verantwortung bewusst zu sein, die man ggf. für ein Haustier übernimmt. Das Leben mit einem tierischen Begleiter erfordert Geld und Zeit, um ihren verschiedenen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht zu werden.

